Zunächst unterscheidet der Arzt zwischen Schmerzen, die sich auf den unteren Rücken beschränken, und anderen, die bis ins Bein ausstrahlen – meist weil der Ischiasnerv beteiligt ist. Daher spricht er im letzteren Fall von „Ischialgie“, im ersteren dagegen von „Lumbago“, „LWS-Syndrom“ (LWS steht für Lendenwirbelsäule) oder „unspezifischen Rückenschmerzen“. Meist verschwindet eine Lumbago auch unbehandelt nach einigen Tagen oder sogar Stunden. Langwieriger können unspezifische allerdings Rückenschmerzen werden, wenn mit einer Fehlhaltung verbunden sind. Ausstrahlende Schmerzen und eine anhaltende Schonhaltung sind häufig Anzeichen einer funktionellen oder einer strukturellen bzw. morphologischen Störung wie Bandscheibenvorfall, Entzündung, Osteoporose, Wirbelgleiten usw. Lassen Sie darauf näher eingehen.

Eine Dorsalgie oder Lumbalgie, so die beiden medizinischen Oberbegriffe für verschiedene Arten von Rückenbeschwerden, kann sehr vielfältige Ursachen haben – Bewegungsmangel, Fehlbelastungen, Übergewicht, organische Veränderungen, psychische Belastungen, angeborene Fehlstellungen der Wirbelsäule oder Abnutzungserscheinungen sind nur einige der möglichen Gründe.
Wir wollen hier nur zwei Gruppen möglicher Ursachen für Rückenschmerzen näher beschreiben:
1) Funktionelle und
2) strukturelle Erkrankungen der Wirbelsäule.
Funktionelle Wirbelsäulenerkrankungen
Sehr häufig kommt es zu Blockaden, die beispielsweise bei falschem Heben entstehen können. Durch die unnatürliche Belastung kommt es zu einer Reizung des Wirbelgelenkes. Infolgedessen kann selbst eine winzige Bewegung starke Rückenschmerzen und Muskelverspannungen auslösen und damit die Bewegungsfähigkeit erheblich einschränken. Besonders unangenehm wird es, wenn die Blockade zu einer Entzündung der Nerven führt.
Neben der akuten Blockade gibt es auch eine Reihe chronischer Rückenbeschwerden, die durch anatomische oder äußere Faktoren entstehen bzw. gefördert werden. Häufige anatomische Ursachen sind Haltungsschäden, unterschiedlich lange Beine und Verformungen durch Brüche. Zu den äußeren Faktoren zählen insbesondere ungünstig eingerichtete Arbeitsplätze: Fehlhaltungen führen zu einer verspannten Schulter-, Nacken- und Rückenmuskulatur. Die wegen der Beschwerden eingenommene Schonhaltung hat wiederum neue Fehlbelastungen zur Folge – so entsteht ein Teufelskreis. Die Muskelverspannung kann eine mögliche Ursache von Schmerzen sein – aber auch deren Folge.
Akute strukturelle Wirbelsäulenerkrankungen
Auch bei den strukturellen, also nicht durch die Bewegung/Belastung verursachten Beschwerden der Wirbelsäule ist es sinnvoll, zwischen akuten und chronischen Erkrankungen zu unterscheiden. Beginnen wir mit den ersteren:
• Bandscheibenvorfall
Diese Verletzung tritt meist in der Lendenwirbelsäule auf, in der Brustwirbelsäule dagegen so gut wie nie und in der Halswirbelsäule nur selten – dann allerdings mit erheblichen Problemen.
Durch Belastung wie falschem Heben schwerer Gegenstände oder durch altersbedingte Gewebeschäden reißt der äußere Faserring der Bandscheibe und der Gallertkern quillt hervor. Dabei drückt er häufig auf Nervenwurzeln, die aus dem Rückenmark austreten. Das verursacht sehr starke Schmerzen, die häufig ins Gesäß und ins Bein ausstrahlen.
Im Gegensatz zu unspezifischen Beschwerden oder zur Neuralgie (s. unten) ist ein Bandscheibenvorfall zweifelsfrei nachweisbar: er hat genau definierte Sensibilitätsstörungen, Reflexausfälle und Funktionsverluste der Muskulatur zur Folge.
• Neuralgie
Unter einer Neuralgie versteht man intensive, fast unerträgliche Schmerzen in einem einzelnen Nerv. In diesem Fall leitet der betroffene Nerv also nicht einen Reiz aus seinem „Zuständigkeitsbereich“ (Innervationsgebiet) zuerst ins Rückenmark und dann zum Gehirn weiter, sondern ist selbst gereizt – und übermittelt entsprechend starke Impulse ans Gehirn. Obwohl theoretisch jeder Nerv im Körper von einer Neuralgie betroffen werden kann, sind Rückennerven besonders häufig betroffen.
Neuralgien kommen weitaus seltener vor als man allgemein vermutet.
Chronische strukturelle Wirbelsäulenerkrankungen
Leider sind Rückenschmerzen manchmal auch eine Spätfolge chronischer Erkrankungen wie der folgenden:
• Skoliose
So bezeichnet man eine seitliche Verkrümmung der Wirbelsäule bei gleichzeitiger Drehung der Wirbel, die nicht mehr vollständig aufgerichtet werden kann. Meist bildet die Wirbelsäule dabei mehrere Bögen, die sich kompensieren, um das Körpergleichgewicht aufrecht zu erhalten („S-Form“). Die Skoliose entsteht sich in der Jugend. Da es vor allem in Zeiten verstärkten Körperwachstums zur Verschlechterung kommen kann, sind Kontrollen in kurzen Abständen wichtig.
• Spondylose
Die Spondylosis deformans und die Spondylarthrose sind durch Rückenschmerzen gekennzeichnet. Dabei handelt es sich um eine Arthrose der Wirbelgelenke und einen Verschleiß der Bandscheibe, die zu einer schmerzhaften Bewegungseinschränkung der Wirbelsäule führen kann – oft auch zu ausstrahlendem Schmerz.
Häufig verursachen diese Erkrankungen aber gar keine Beschwerden und sind mit nur geringen funktionellen Störungen verbunden.
• Spinalkanalstenose
Mit zunehmendem Alter degenerieren die Wirbelkörper, die Wirbelgelenke versteifen und die Bandscheiben verlieren ihre Elastizität – das Risiko für Rückenprobleme steigt. Aber die altersbedingte Versteifung der Wirbelsäule kann oftmals auch zu einer Schmerzlinderung führen – nur wenn in den Grenzbereichen der Versteifung „Hypermobilitäten“ (vermehrte, evtl. krankhafte Beweglichkeit) bestehen, können dort Schmerzen ausgelöst werden.
Als typische Alterserscheinung (die allerdings auch jüngere Menschen betreffen kann) gilt der durch die Versteifung verengte Wirbelsäulenkanal – die lumbale Spinalkanalstenose (LSS).
Eine Folge der LSS sind Rückenschmerzen, die häufig in die Beine ausstrahlen, Taubheitsgefühle im Gesäß und in den Beinen sowie eine allgemeine körperliche Schwäche und reduzierte Belastbarkeit. Meist verstärken sich die Symptome bei aufrechter Haltung – daher machen die Betroffenen einen Buckel. Als lindernd empfinden sie beim Gehen oft das Schieben eines Fahrrades.
• Osteoporose
Auch diese Knochenerkrankung kann Rückenschmerzen hervorrufen. Bitte lesen Sie mehr dazu unter dem Menüpunkt „Osteoporose“.
• Tumore und tumorähnliche Veränderungen
Eine Ursache für Rückenschmerzen sind manchmal leider auch sekundäre Knochentumore (Metastasen) bei Brust-, Prostata-, Bronchial-, Schilddrüsen-, Magen- oder Darmkrebs. Zu einer Verdickung und zugleich Schwächung der Knochen kommt es auch bei der meist harmlosen Morbus Paget.
• Spondylitis
Die schmerzhafte akute Form dieser Entzündung der Wirbel und der Wirbelgelenke kann durch verschiedene Krankheitserreger verursacht werden. Eine chronische, ebenfalls schmerzhafte, Spondylitis dagegen ist die zum rheumatischen Formenkreis gehörende Bechterewsche Krankheit („Spondylitis ankylosans“), die meist zur Versteifung der Wirbelsäule in Buckelstellung führt.

Man sollte auf jeden Fall einen Arzt zu Rate ziehen, wenn starke Rückenschmerzen erstmals auftreten oder wenn sich der Charakter der Beschwerden ändert – die Schmerzen sich verlagern, stärker werden oder anders anfühlen. Der Arztbesuch ist absolut unumgänglich, wenn Zeichen einer Nervenschädigung zu bemerken sind – etwa Gefühlsstörungen in den Beinen, Muskelschwäche, Störungen des normalen Gehens (fehlender Fersengang), Probleme mit dem Wasserlassen oder dem Stuhlgang. Nervenschädigungen, die bei einem Bandscheibenvorfall auftreten, können zu einer bleibenden Lähmung führen, wenn sie nicht behandelt werden.
Meist findet der Arzt die Ursachen für ein Rückenproblem durch das genaue Studium der Krankheitsgeschichte und eine gründliche klinische Untersuchung. Dabei untersucht er die Beweglichkeit des Rückens, die Muskelfunktion und die Beweglichkeit der Wirbelsäulen-Gelenke. Für eine genaue Diagnose müssen möglicherweise zusätzliche Untersuchungen durchgeführt werden wie eine Röntgenuntersuchung, eine Computer-Tomographie oder eine Blutuntersuchung.

Wie Sie richtig arbeiten, sitzen, aufstehen, tragen, anheben und liegen, können Sie in der grafischen Darstellung unserer Rückenschule nachsehen. Hier geht's zum Download: Rückenschule (PDF, 1,7 MB).
