Wie Hamburger Ärzte in Indien kranken Kindern neuen Mut geben
Siri kann wieder lachen. Ihre braunen Augen strahlen, als sie ihre ersten Schritte macht. Ganz zaghaft noch, aber voller Zuversicht. Für die 5jährige sind das Schritte in ein neues Leben. Ein Leben voller Hoffnung. Hoffnung, im nächsten Jahr zur Schule gehen zu können. Hoffnung, später eine Ausbildung zu bekommen. Hoffnung einen Mann zu finden und eine Familie zu gründen.
Noch vor drei Monaten hockte das Mädchen hilflos auf dem Boden einer ärmlichen Hütte im Süden Indiens. Nach einer Infektion des Gehirns litt es unter extremer Muskel- und Sehnenverkürzung der Füße und Beine. Ohne fremde Hilfe konnte sich die Kleine nicht bewegen.
So ergeht es vielen Kindern im Süden des Subkontinents, wo die Armut am größten ist. Erkrankungen, die wir bei uns gar nicht mehr sehen, gehören in einem Teil Asiens immer noch um Alltagsbild: u. a. angeborene Verformungen der Wirbelsäule, Klumpfüße, schwere Schädigungen nach Kinderlähmung, extreme X- oder O-Beine, so dass die Kinder nicht laufen können.
Medizinische Hilfe kann sich kaum jemand leisten. Der Verdienst eines Tagelöhners – meist nicht mehr als umgerechnet 1,50 Euro am Tag – reicht ja nicht einmal, um die Familie satt zu kriegen.
Seit einem Jahr kann hier geholfen werden. Nahe der Stadt Mylaudy wurde eine orthopädische Station mit Ambulanz, physiotherapeutischen Behandlungsräumen und Betten für die postoperative Betreuung gebaut (operiert wird in einem nahegelegenen Krankenhaus).
Der Anstoß zu diesem Hilfsprojekt, das auch der kleinen Siri ein neues Leben geschenkt hat, kam von dem Hamburger Orthopäden Dr. Jürgen Zippel. Über die „Patengemeinschaft für hungernde Kinder e. V.“ suchte er Sponsoren – und fand sie (vor allem die Hallische Nationale Versicherung). Und er fand Kollegen, die mehrmals im Jahr nach Indien fliegen, um zu helfen – unentgeltlich natürlich. Zum Hamburger Team gehören der Orthopäde Dr. Jörge Ropohl, dessen Frau Dr. Evamarie Ropohl (Allgemeinmedizinerin), Prof. Siegurd Brieler (Chirurg) und dessen Frau, die Gynäkologin Dr. Gisela Brieler.
„Diese Mannschaft ist leider noch zu klein, um die Patienten das ganze Jahr über zu betreuen“, sagt Dr. Ropohl, der im Frühjahr wieder einen Monat lang in Indien war. „Jeder Arzt, jede Ärztin, natürlich auch Physiotherapeuten und Krankengymnasten werden dringend gebraucht. Bezahlt werden müssen nur Flug und einige Nebenkosten. Unterkunft und Verpflegung werden gestellt“. „Aber genau so wichtig sind Spenden“, betont der Orthopäde. „Jeder Betrag ist uns wichtig, sei er auch noch so klein, die Summe macht’s“. Das Geld kommt den Kindern ohne Abzug von Verwaltungs- oder sonstigen Kosten zugute.