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Die Kunst der sanften Griffe

Wie Ärzte Gelenkblockaden lösen und Schmerzen nehmen können

 

Chirotherapie, auch Manuelle Medizin genannt, – das ist Behandlung im wahrsten Sinne des Wortes. Denn mit den Händen gibt der Arzt einen Impuls auf die Gelenkkapseln und hebt so schmerzhafte Funktionsstörungen der Wirbelsäule wieder auf. Daher auch der Name: Cheir heißt auf Griechisch Hand, manus auf Latein. Schon der griechische Arzt Hippokrates (460 – 377 v. Chr.) beherrschte die Methode. Heute ist sie eine gesetzlich anerkannte Leistung, die besonders von Orthopäden und Allgemeinmedizinern angeboten wird, aber auch von Chirurgen, Neurologen oder HNO-Ärzten.

Nacken-, Lenden-, oder Kopfschmerzen - oft haben sie ihren Ursprung in der Wirbelsäule. Die 24 Wirbel sind durch Gelenke miteinander verbunden. Durch Fehlbelastungen (z.B. falsche Körperhaltung) oder starken seelischen Druck können Funktionsstörungen in diesen Gelenken und dem umgebenden Gewebe ausgelöst werden: Muskeln verhärten und verspannen sich, machen das Gelenk unbeweglich und reizen Nerven. Nach besonderer Lagerung des Patienten wird mit einem gezielten Handgriff des Arztes die Reizleitung der Nerven unterbrochen, die Muskelanspannung sinkt, das Gelenk wird frei, kann seine ursprüngliche Funktion wieder wahrnehmen. Der Körper schüttet dabei Endorphine aus, schmerzstillende Botenstoffe für das Nervensystem, der Patient spürt meist unmittelbare Besserung.

Aus dem Rückenmark führen unwillkürlich („vegetativ“) arbeitende Nervenverbindungen zu den Organen. Bei Funktionsstörungen der Wirbelgelenke werden sie gereizt. Das ist die Erklärung, warum Chirotherapie auch gegen eine Vielzahl organischer Beschwerden helfen kann: z.B. Tinnitus (Ohrgeräusche) und Hörsturz sowie Störungen der Funktion der Bauchorgane und der Atmung. Der Therapeut wendet drei Techniken an.

 

Traktion: Gelenkteile werden auseinander gezogen.

Effekt: Druckminderung, Entlastung.

 

Mobilisation oder Manipulation: Gelenkteile werden gegeneinander bewegt.

Effekt: Die Beweglichkeit wird wieder hergestellt.

 

Weichteilbehandlung: Durch Dehn- und Entspannungstechniken wird die Muskulatur so verlängert, dass sie sich dem neuen Bewegungsmuster anpassen kann.

Effekt: Weniger Schmerzen, bessere Beweglichkeit.

 

Auch wenn bei der Behandlung oft ein deutliches Knacken zu hören ist: Es tut nicht weh. Und ist, richtig ausgeführt, auch nicht gefährlich. Denn bevor der Arzt die Gelenke manipuliert, untersucht er die Wirbelsäule, Gelenke und Reflexe des Patienten, betrachtet CT- und Röntgenbilder. Hat er die Gelenkstörung ertastet, erzeugt er im Umfeld des betroffenen Wirbels einen Spannungszustand und macht zunächst einen so genannten Probezug. Obwohl es so klingt: „Eingerenkt“ werden die Gelenke nicht. Nur deblockiert. Sind die Beschwerden beseitigt, sollten die Patienten selbst aktiv werden: Schnelles Gehen oder Rückenschwimmen, in Absprache mit dem Arzt auch Krankengymnastik und Krafttraining, stabilisieren die Haltemuskulatur und helfen, einen Rückfall zu vermeiden.

Die Kosten für eine Chirotherapie übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen zweimal im Quartal, im Bedarfsfall unter Umständen auch häufiger. Voraussetzung: Die Behandlungen werden durch einen Arzt mit der Zusatzausbildung „Chirotherapie“ oder „Manuelle Medizin“ durchgeführt.