Die Deutschen sind Sauna-Fans. Rund 17 Millionen Männer und 13 Millionen Frauen gehen regelmäßig in die heiße Hütte – vor allem, um sich für den Winter abzuhärten. In der Hitzekammer steigt die Temperatur unseres Körpers um ein Grad Celsius, die der Haut sogar um bis zu zehn Grad: Unser Organismus ist extremen Bedingungen ausgesetzt. Trotzdem – oder gerade deshalb – hat richtiges Schwitzen einen Super-Effekt auf unsere Gesundheit: Es stärkt das Immunsystem, trainiert Herz und Kreislauf, entlastet die Nieren.
Was passiert beim Saunabaden?
Auf die ungewohnte Hitze reagiert unser Körper zunächst mit Abwehrmaßnahmen. Um seine Kerntemperatur auf 37 Grad zu halten, erweitert er die äußeren Blutgefäße, verstärkt die Durchblutung und leitet so die Wärme nach außen. Als Folge sinkt der Blutdruck. Das wiederum will das Herz ausgleichen und schlägt schneller. Bei der Abkühlung zwischen den Saunagängen (ins Freie gehen, kalt abduschen, ins Tauchbecken steigen) ziehen sich die Gefäße wieder zusammen, das Blut fließt vermehrt nach innen zurück, der Blutdruck steigt, und das Herz kann seine Leistung drosseln. Effekt des Wechselbades: Die Blutgefäße lernen, schneller und besser zu reagieren. Außerdem werden Erkältungs- und Grippeerreger durch eine gestärkte Abwehr vernichtet.
Wie häufig sollte man in die Sauna gehen?
Um einen optimalen Trainingseffekt zu erreichen, sollte regelmäßig einmal wöchentlich sauniert werden. Denn: Etwa eine Woche lang halten die Wirkungen des Saunabades, wie die bessere Reaktion der Blutgefäße auf Abkühlung, vor. Ein guter Schutz also vor Schnupfen, Erkältung und Grippe. Der Deutsche Sauna Bund empfiehlt pro Saunatag zwei bis drei Gänge von acht bis 12 Minuten. Für Anfänger reichen zwei. Allerdings: Fünf Minuten auf der untersten Bank sind zu wenig. Dann fehlt die Überwärmung, die für das Gefäßtraining wichtig ist. Und: Die Abkühlphasen sollten mindestens solange dauern wie der Saunagang selbst.
Wie reagiert das Herz auf soviel Wärme?
„Hitze belastet das Herz,“ argumentieren Saunagegner gern. Schließlich klagen an heißen Tagen vor allem ältere Menschen häufig über Herzklopfen, Schwindel oder Atemnot. Schuld daran sind aber meist eine hohe Luftfeuchtigkeit und ein längerer Aufenthalt in schwüler Hitze. In der Sauna dagegen ist die Wärme trocken (außer im Dampfbad) und wirkt nur kurze Zeit auf den Körper ein.
Eine US-Studie hat gezeigt, dass saunabaden bei leichter Herzschwäche (Herzinsuffizienz) sogar heilsam sein kann. Weil die künstliche Wärme nicht nur die Blutgefäße der Haut, sondern auch die Herzkranzgefäße erweitert, wird das Herz besser versorgt. Allerdings sollten die Temperaturen nicht zu hoch sein. 60 bis 70 Grad sind zumindest am Anfang ideal, ab 100 Grad wird der Gang in die Sauna für Menschen mit Herzschwäche zur Belastung.
Vorsicht auch vor dem Tauchbecken: Bei abrupter Kälte ziehen sich die Gefäße zu schnell zusammen, der Blutdruck steigt – schlecht auch für Menschen, deren Blutdruck ohnehin schon erhöht ist.
Dürfen Nierenkranke saunabaden?
Generell gilt: Akut Nierenkranke gehören nicht in die Sauna! „Bei chronischer Nierenschwäche dagegen entlastet saunabaden die Nieren sogar geringfügig,“ sagt Dr. Rainer Brenke, Chefarzt für Naturheilverfahren an der Hufeland-Klinik in Bad Ems. Grund: „Mit dem Schweiß wird auch etwas Harnstoff ausgeschieden. Man hat festgestellt, dass sich dieser Anteil bei chronisch Nierenkranken im Vergleich zu gesunden Menschen erhöht – die Nieren werden also entlastet. Auch ein Grund, warum sich Nierenkranke bei regelmäßigem Saunabesuch leistungsfähiger fühlen,“ so Dr. Brenke.
Weil gute Durchblutung ganz wichtig für die Arbeit der Nieren ist, dürfen die Füße aber auf keinen Fall kalt werden. Deshalb sollten Sie aufs Wassertreten und den Sprung ins Tauchbecken lieber verzichten. Nach jeder Kaltwasseranwendung (Guss oder Dusche) ein ausgiebiges warmes Fußbad nehmen. Und: Immer Badesandalen tragen! Wer zu Nierensteinen neigt, muss nach der Sauna den gesamten Flüssigkeitsverlust ausgleichen. Das heißt: trinken, trinken, trinken ...
Wer darf nicht in die Sauna?
Ganz klar: Wer so krank ist, dass er ins Bett gehört, darf nicht in die Sauna! Akut Kranke, besonders mit Fieber, mit Entzündungen der inneren Organe (z. B. am Herzen, an den Blutgefäßen), Kranke mit nicht ausgeheilter Lungentuberkulose und akut Krebskranke dürfen nicht saunabaden. Ebenso wenig wie Menschen mit schwerer Herzschwäche, mit Gefäßveränderungen, besonders im Gehirn, oder Patienten kurz nach einem Herzinfarkt. Auch gegen Ende einer Schwangerschaft, bei Kreislaufproblemen und bei einer nicht behandelten Schilddrüsenüberfunktion sollte man die Sauna meiden. Im Zweifelsfall entscheidet immer der Arzt!